Patientenfragen

Wöchentlich beantworte ich im Magazin GESUND&FIT Ihre Anliegen zum Thema Psychotherapie! Natürlich werden alle Ihre Anfragen anonymisiert.

Schicken Sie mir Ihre Fragen an: psychotherapie@oe24.at


Fragen aus der Praxis:

? Wir haben ein zweites Baby bekommen und seither nässt unsere 5-jährige Tochter wieder ein. Sie lutscht auch am Daumen und benimmt sich wie ein Baby, obwohl sie schon viel weiter in der Entwicklung war!
Kein Grund zur Sorge, das ist völlig normal.  In der Psychoanalyse bezeichnet man dies als „Regression“, das Zurückfallen auf eine frühere Entwicklungsstufe. Ihre Kleine will auch wieder mehr Baby sein, weil sie wahrnimmt, dass das Neugeborene viel Aufmerksamkeit von Mama und Papa bekommt. Unbewusst verhält sie sich auch so! Binden Sie ihre Tochter einfach aktiv in alles rund um das Geschwisterchen ein. “Spezialzeit“ nur mit Mama trägt auch dazu bei, dass sie sich nicht zurückgesetzt fühlt. Auf keinen Fall sollten Sie sie für ihr derzeitiges Verhalten tadeln, dann vergeht bald alles von selbst.

 

? Wir haben ein zweites Baby bekommen und seither nässt unsere 5-jährige Tochter wieder ein. Sie lutscht auch am Daumen und benimmt sich wie ein Baby, obwohl sie schon viel weiter in der Entwicklung war!
Kein Grund zur Sorge, das ist völlig normal. In der Psychoanalyse bezeichnet man dies als „Regression“, das Zurückfallen auf eine frühere Entwicklungsstufe. Ihre Kleine will auch wieder mehr Baby sein, weil sie wahrnimmt, dass das Neugeborene viel Aufmerksamkeit von Mama und Papa bekommt. Unbewusst verhält sie sich auch so! Binden Sie Ihre Tochter einfach aktiv in alles rund um das Geschwisterchen ein. “Spezialzeit“ nur mit Mama trägt auch dazu bei, dass sie sich nicht zurückgesetzt fühlt. Auf keinen Fall sollten Sie sie für ihr derzeitiges Verhalten tadeln, dann vergeht bald alles von selbst.

 

? Ich muss seit einer Woche Medikamente gegen Depressionen nehmen und hab Angst, dass das meine Persönlichkeit verändert!
Keine Angst, Antidepressiva verändern die Persönlichkeit nicht. Sie dienen dazu, ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn auszubalancieren und Ihre Stimmung wieder auf ein „normales Niveau“ zu heben. Begleitend empfehle ich Ihnen psychotherapeutische Unterstützung, um die Ursachen ihrer Depression herauszufinden!

 

? Ich war bei einer Therapeutin zum Erstgespräch, weil ich ständig etwas stehlen muss. Ich kann einfach nicht anders. Ich hab ihr erzählt, was ich alles eingesteckt habe und auch, wo und wie ich es mache. Jetzt hab ich Angst, dass sie mich anzeigt!
Sie werden mit Sicherheit nicht angezeigt, da jeder Therapeut/in der Schweigepflicht unterliegt. Alles, was Sie im Erstgespräch und auch in einer fortlaufenden Therapie erzählen, darf diese vier Wände gemäß dem Psychotherapiegesetz nicht verlassen.

Sie haben aber die richtige Entscheidung getroffen, sich zumindest einmal für ein Erstgespräch Hilfe zu holen. Eine Therapie wäre anzuraten, nicht nur, um Ihre Kleptomanie, bei der es sich um eine Störung der Impulskontrolle handelt, in den Griff zu bekommen, sondern auch zu Ihrem Schutz, um gar nicht erst in die Lage zu kommen, bei einem Ihrer Diebstähle erwischt zu werden!

 

? Mein Mann und ich haben schon eine 2-jährige Tochter und überlegen jetzt ein Kind aus dem Inland zu adoptieren. Am besten ein Neugeborenes. Halten Sie das Alter unserer Tochter für geeignet oder sollen wir lieber warten, bis sie älter ist?
Eine Adoption aus dem Inland ist in Österreich nicht möglich, wenn sie bereits ein eigenes leibliches Kind haben. Sie können sich nur für eine Auslandsadoption bewerben. Es spricht prinzipiell nichts gegen das Alter ihrer Tochter, allerdings dauert alleine das Adoptionsverfahren bis zur Bewilligung mit den dazugehörigen Kursen rund ein Jahr. Mit einer Adoption aus dem Ausland ist üblicherweise auch eine Wartezeit von 2-3 Jahren verbunden, das Adoptivkind ist dann meistens schon etwas „älter“.

 

? Der Sohn meiner Freundin braucht schon mit 1 1/2 Jahren keine Windeln mehr! Meine Tochter (2) macht immer noch rein? Ist sie hinten nach?
Bestimmt nicht. In der Medizin geht man davon aus, dass die Kontrolle über den Schließmuskel überhaupt erst mit zwei oder drei Jahren möglich ist. Möglicherweise setzt Ihre Freundin den kleinen Sohn nur so häufig aufs Töpfchen, dass er gar nichts mehr für die Windel „übrig“ hat.

 

Die Sauberkeitserziehung verlangt übrigens viel Ruhe, Geduld und Respekt von den Eltern. Verleiht man dem Thema zu viel Nachdruck, werden die Kinder trotzig und halten den Stuhl zurück, was zu Verstopfungen führt. Sie entwickeln sich außerdem - laut Theorie der Psychoanalyse - zu zwanghaften Menschen. Eigensinn, Geiz und Ordnungsliebe stehen mit dieser „analen Phase“ im Zusammenhang - man gibt einfach nicht gerne etwas her!

 

? Der Schulfreund meines Sohnes (6) war bei uns. Die Buben waren baden. Am Rücken des Freundes habe ich riesige blaue Flecke entdeckt. Er hat nur gemeint vom Spielen. Wie soll ich reagieren?
Ein heikles Thema. Schwierig, die Situation von außen einzuschätzen. Ich würde dennoch raten, den Eltern direkt mitzuteilen, dass Ihnen die Flecken beim Baden aufgefallen sind - auch auf die Gefahr hin, dass es zu Unstimmigkeiten kommt!

 

? Ich bin schwanger und muss Antidepressiva nehmen. Jetzt hab ich Angst, dass das meinem ungeborenen Kind schaden kann! Aber ohne geht es auch nicht!
Grundsätzlich ist klar, dass Sie jegliche Art der Medikation mit Ihrem Gynäkologen abklären müssen. Aber keine Sorge, es ist möglich, auch während der Schwangerschaft Antidepressiva zu nehmen. Das geeignete Präparat kennt ihr Psychiater bzw. Frauenarzt. Auch ein pflanzlicher Wirkstoff ist womöglich eine geeignete Alternative.

 

? Mein Sohn ist 24 und möchte ausziehen. Ich finde es rücksichtslos von ihm, er weiß genau, dass ich dann alleine bin. Mein Mann ist vor 12 Jahren gestorben, seither kümmere ich mich alleine um das Kind. Kann ich da nicht erwarten, dass er sich auch um mich kümmert?
Der Tod Ihres Mannes war sicher traumatisch für Sie und ich kann mir gut vorstellen, dass auch die Zeit danach - als alleinerziehende Mutter - alles andere als einfach war.

Dennoch - Ihr Sohn ist 24 und es ist mehr als natürlich, dass er das Bedürfnis hat, sich von Ihnen abzulösen. Er ist kein Partnerersatz und sollte nicht die Verpflichtung empfinden, diese emotionale Lücke für Sie schließen zu müssen. Vielleicht gelingt es dann auch Ihnen, neue Kontakte zu knüpfen!

 

? Meine Tochter (13) war bislang immer Vorzugsschülerin. Darauf bin ich auch sehr stolz. Plötzlich hat sie eine 4 in Mathe! Für mich ist das schrecklich! Ich hab sie zur Rede gestellt und sie hat zu weinen begonnen. Soll ich mit den Lehrern reden?
Es kommt mir so vor, als hätten Sie einen sehr hohen Leistungsanspruch an Ihre Tochter. Ich kenne die Hintergründe nicht genau, aber vielleicht ist sie dem nicht mehr gewachsen?

 

Ich denke, dass ein Gespräch mit den Lehrern nicht notwendig ist. Es ist außerdem normal, dass die schulischen Leistungen in der Pubertät einbrechen, vor allem, wenn die elterlichen Anforderungen groß sind. Wenn Sie Ihre Tochter unterstützen wollen, dann vermitteln Sie ihr, dass sie nicht über schlechtere Noten verärgert sind - auch ein Scheitern gehört zum Wachsen!  

 

? Ich (16) war auf einer Party mit meiner Freundin. Dort haben wir viel getrunken und plötzlich geknutscht. Ich stehe aber Jungs! Jetzt hab ich Angst, dass ich lesbisch bin und es nicht weiß! Kann das sein?
So ein Erlebnis kann ziemlich verstörend wirken, ist aber völlig normal. In der Phase der Findung der sexuellen Identität können schon mal erotische Gefühle für Gleichgeschlechtliche auftauchen und auch zu Begegnungen führen.

 

? Meine Freundin akzeptiert meine Tochter aus erster Ehe nicht. Sie will mir den Kontakt verbieten. Die Kleine ist erst vier und versteht überhaupt nicht, warum Sandra (meine Freundin) sie völlig ignoriert, wenn sie bei uns zu Besuch ist. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll!
Eine schwierige Situation. Ihre Tochter befindet sich überdies in einer Entwicklungsphase - der sogenannten ödipalen Phase -, in der sie ohnehin dem Vater sehr zugetan ist. Ich nehme an, das schürt zusätzlich die Konkurrenzgedanken Ihrer Lebensgefährtin. Da ich Ihrer Frage entnehme, dass sie bereits alles versucht haben, kann ich Ihnen nur als letzten Ausweg ein paartherapeutisches Gespräch nahelegen, um die Gründe für Ihre Ablehnung eingehender zu beleuchten.

 

? Ich weiß nicht mehr weiter! Ich bin 13 und schwanger! Ich will das Kind auf keinen Fall behalten, weil ich mit dem Vater nicht zusammen bin. Ich kann aber auch mit niemandem darüber reden, meine Mutter bringt mich um, wenn sie davon erfährt!
Ich kann mir vorstellen, was gerade in Ihnen vorgeht! Aber keine Sorge, es wird sich eine Lösung finden lassen! Bitte wenden Sie sich so bald wie möglich an folgende Adresse:

www.prowoman.at /pro:woman Ambulatorium Tel: 01/512 96 31 250

Hier betreut man auch anonym viele junge Menschen, die sich in ähnlichen Situationen wie sie befinden. Gemeinsam können Sie dann die nächsten Schritte überlegen und auch einen Weg finden, Ihre Mutter darüber zu informieren! 

 

? Ich glaube, mein Sohn ist schwul, ich hab ihn zufällig gesehen! Am Anfang waren mein Mann und ich geschockt, jetzt ist es ok für uns. Wie sollen wir ihn darauf ansprechen?
Toll, dass Sie Ihren Sohn so annehmen, wie er ist! Sprechen Sie Ihn ruhig direkt an und vermitteln sie ihm, dass sie seine Entscheidungen völlig akzeptieren. Somit sind Schamgefühle, die ihn möglicherweise von einer Aussprache mit Ihnen abhalten, sofort beseitigt!

 

? Was ist Vaginismus? Kommt das von der Psyche?
Vaginismus oder auch Scheidenkrampf ist eine sexuelle Funktionsstörung. Es bedeutet, dass sich die Beckenbodenmuskulatur ungewollt verkrampft. Ein normaler Geschlechtsverkehr ist so kaum noch möglich oder zumindest sehr schmerzvoll.

Sollten keine körperlichen Gründe vorliegen, ist eine psychische Komponente wahrscheinlich. Traumatische sexuelle Erlebnisse, Konflikte in der Partnerschaft oder generell Ängste in Verbindung mit der Sexualität sind die Verursacher. Da die betroffenen Frauen meistens sexuelle Lust empfinden, ist es oft schwer nachvollziehbar, dass die Psyche unbewusst diese körperliche Abwehrreaktion auslöst. Ich rate zu einer langfristigen, tiefenpsychologischen Therapie.

 

? Meine Tochter ist 14 und hat sich überhaupt nicht mehr unter Kontrolle, kriegt Wutausbrüche, wird aggressiv und heult dann plötzlich los. Im Internet steht, das ist eine Borderline-Störung! Hilfe!
Ich kann Ihre Verzweiflung verstehen und es ist richtig, dass Sie das Verhalten Ihrer Tochter beobachten!

Sie ist allerdings erst 15 und somit physisch wie psychisch damit beschäftigt, erwachsen zu werden - es könnte sich also eher um eine Adoleszenzkrise handeln. In dieser Phase tauchen oft Borderline-ähnliche Verhaltensweisen auf, die man allzu schnell als pathologisch, also krankhaft, einstuft. Es kommt zu dramatischen Veränderungen der sozialen Wahrnehmung, der Emotionen und der Kognitionen, kurz gesagt: Alles spielt verrückt. Dennoch empfehle ich wie immer eine fachliche Abklärung!

 

? Mein Sohn ist 13 und hat jetzt einen Facebook Account angemeldet! In seiner Klasse haben das angeblich alle. Ich finde das viel zu früh und gefährlich, man liest ja über Mobbing usw. und er ist sowieso noch so naiv. Soll ich ihm das verbieten oder wie kann ich kontrollieren, was er macht? Ich halte Facebook ja für einen Schwachsinn!
Verbieten erachte ich nicht für sinnvoll. Facebook ist mit all seinen Vor-und Nachteilen einfach Bestandteil der Gesellschaft und Ausdruck eines Zeitgeistes. Kontrolle ist ebenso wenig zielführend, das führt vielleicht sogar dazu, dass Ihr Sohn versucht, so einiges heimlich zu machen - womöglich gerade dann, wenn er mit tatsächlichen Problemen wie Cybermobbing konfrontiert ist. Führen Sie lieber ein Gespräch mit ihm, klären Sie präventiv möglichen Risiken und schaffen Sie eine Atmosphäre des Vertrauens. Auch wenn Sie selbst die sozialen Netzwerke nicht befürworten, wäre es bestimmt hilfreich, wenn es Ihnen gelänge, Interesse dafür aufzubringen – so können Sie womöglich auch eigene Ängste abbauen!

 

? Ich hab seit ca. vier Jahren eine Freundin. Es läuft alles super gut. Sie hätten auch gerne schon ein Kind, sie ist 25. Ich habe eigentlich auch nichts dagegen, könnte aber auch noch ein paar Jahre warten. Die letzten paar Male beim Sex hatte ich plötzlich Probleme mit der Potenz. Das war noch nie zuvor der Fall, ich bin erst 28! Was ist das?
Sollte der Facharzt keine medizinischen Einschränkungen finden, könnte es vielleicht mit dem Kinderwunsch zusammenhängen. Sie schreiben, dass Sie „eigentlich nichts dagegen hätten“ - aber eben nur eigentlich. Auf einer bewussten Ebene empfinden Sie es mit Sicherheit tatsächlich so, doch unbewusst könnte es sein, dass Sie diese Thematik (noch) ablehnen. Ihr Körper gibt Ihnen Signale, indem er quasi die Fortpflanzung verweigert. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und sollte es so sein, wie von mir vermutet, dann in Folge auch zu Ihrer Partnerin. In einer gefestigten, guten Partnerschaft, die Sie ja beschreiben, findet sich bestimmt ein Kompromiss, Sie sind ja auch beide noch sehr jung. Und ohne diesen möglichen Druck können sie hoffentlich auch ihre Sexualität wieder problemlos genießen.

 

Ich bin 24 und lebe endlich allein. Meine Eltern rufen aber ständig an, kommen unangemeldet vorbei und sind beleidigt, wenn ich keine Zeit habe. Bin ich im Recht, wenn ich das nicht will?
Ja! Viele Elternteile sehen ihr Kind leider als eine Art "verlängertes Selbst", also als einen Teil von Ihnen, der auch so wie sie selbst denken und fühlen muss. Bereits in der Kindheit wurden erste Autonomiebestrebungen unterbunden, folglich haben Betroffene oftmals bis ins Erwachsenenalter mit dem (unbewussten) Konflikt zwischen Wünschen nach Eigenständigkeit und ihren Bedürfnissen nach Abhängigkeit zu kämpfen. Therapeutische Unterstützung ist hier wichtig, da der Akt der Emanzipation deshalb mit vielen Schuldgefühlen verbunden ist und von Elternseite natürlich ein massiver Widerstand dagegen eintritt. 

 

? Mein  Mann hat schwere Depressionen. Er hatte einen Herzinfarkt, dann ist sein Bruder an Lungenkrebs gestorben. Wir haben eine Tochter mit Down Syndrom. Er beschimpft mich nur mehr, deshalb wollte ich zurück in die Slowakei, musste aber bleiben, weil er sich eingebildet hat, dass er sterben muss. Ich weiß nicht mehr, wie ich mit ihm umgehen soll, kann mir aber keine Therapie leisten.
Sie stehen unter enormen Druck. Sie müssen die Pflege für Mann und Kind übernehmen und das ist keine leichte Aufgabe. Es scheint, als würde Ihr Mann seine Krankheit zusätzlich „benützen“, um nicht verlassen zu werden. Sie brauchen dringend Unterstützung, da Sie diese Umstände auf Dauer krank werden lassen und damit ist niemandem mehr geholfen. Die SFU-Ambulanz bietet Therapieplätze zu Sozialtarifen an! Wenden Sie sich bitte dahin!

Hilfe:

SFU Ambulanz Wien
Salztorgasse 1
1010 Wien
Tel: +431 7989400
Email: ambulanz@sfu.ac.at  

               

? Unsere Tochter (17) hat seit kurzem einen seltsamen Tick. Wenn Sie die Treppen steigt, muss sie nach zwei Schritten immer wieder einen zurück machen und auf den Boden klopfen. Sie sagt, sie kann nicht anders und weint dann furchtbar. In der Schule beginnt man sie deshalb schon zu hänseln. Was ist das?
Das Verhalten ihrer Tochter klingt ganz nach einer Zwangshandlung. Dabei werden die Betroffenen von einer Art innerem Drang getrieben, bestimmte Handlungen ausführen zu müssen. Auch Zwangsgedanken sind möglich. Oft bringt medikamentöse Unterstützung bereits Erleichterung, therapeutische Begleitung (Verhaltenstherapie oder psychodynamisches Verfahren) ist anzuraten. Wichtig ist, schnell zu handeln, damit  es nicht zu einer Chronifizierung kommt.

 

? Ich habe ein Baby mit zwei Monaten. Es wacht leider oft auf und brüllt dann durch. Meine Freundin hat ihren Sohn einfach ein paar Nächte durchschreien lassen und dann hat er durchgeschlafen. Soll ich das auch tun?
Auf keinen Fall. Babys haben IMMER einen Grund, wenn sie weinen - und sei es nur der Wunsch nach körperlicher Nähe. Es ist Ihre einzige Ausdrucksmöglichkeit. Der Sohn ihrer Freundin hat offenbar einfach resigniert, was für eine gesunde psychische Entwicklung fatal sein kann.

 

? Ich bin sei vier Wochen Mutter einer kleinen Tochter. Ich habe kaum Milch, kann sie nicht genug stillen. Ich mache mir deshalb unglaubliche Vorwürfe. Überall wird einem eingeredet, wie wichtig Stillen ist, vor allem für die Beziehung zum Kind.
Erstmals gratuliere ich zum Nachwuchs, zweitens rate ich Ihnen, sich diesbezüglich nicht verrückt zu machen. Wenn Sie zu wenig Milch haben, ist das eben so. Sie können es nicht willentlich beeinflussen. Wichtig ist vor allem, die Nähe, Aufmerksamkeit und Ruhe, die sie Ihrer Tochter während des Fütterns vermitteln. Dies ist genauso bei der Gabe eines Fläschchens möglich. Nehmen Sie sich Zeit, sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre - und wer weiß, vielleicht fließt dann auch die Milch wieder!

 

? Mein Sohn ist jetzt 16 und hat mir den Schock meines Lebens verpasst. Wir haben ein sehr offenes Verhältnis und deshalb hat er mir auch erzählt, dass er auf seiner Geburtstagsparty im April zum ersten Mal einen Joint rauchen will. Was soll ich ihm raten?'
Schön, dass sie beide so ein offenes Verhältnis haben und ihr Sohn auch mit diesen Themen zu ihnen kommt. Dennoch, wenn möglich würde ich ihm raten, dies auf später zu verschieben. Jugendliche haben in dieser Phase genug mit der eigene Psychodynamik zu tun. Der sogenannte präfrontale Cortex im Gehirn reift sehr langsam und braucht etwa bis zum 25. Lebensjahr. Bis dahin sollte die Entwicklung nicht durch derartige Substanzen gestört werden, im übrigen auch nicht durch Alkohol, Zigaretten oder andere Drogen.

 

? Ich bin 17 und noch immer Jungfrau. Meine Freundinnen hatten schon mal Sex, aber ich fühle mich noch nicht so weit und hab ein wenig Angst.
Ich finde es sehr reif, dass sie hier auf sich und ihre Gefühle hören. Ich rate aber zu einem Gespräch mit einer Gynäkologin (mit Eltern ist das vielleicht nicht so einfach), da auch eine erste Untersuchung, wie die Aufklärung über Verhütungsmöglichkeiten und andere dazugehörige Themen die Ängste nehmen. 

 

? Meine Freundin pflegt sein Jahren ihren behinderten Bruder. Er und sie haben einen schrecklichen Autounfall überlebt, die Eltern sind dabei gestorben, der Bruder seither geistig behindert. Sie hatte nichts. Sie ist mittlerweile total am Ende, lehnt aber jede Hilfe ab.
Sie haben die Warnzeichen richtig erkannt. Ihre Freundin hat womöglich große Schuldgefühle, als einzige den Autounfall unbeschadet überlebt zu haben. Diese versucht die Psyche erträglicher zu machen, indem sie sich nun für ihren Bruder aufopfert. Vielleicht können Sie ihre Freundin davon überzeugen, sich therapeutische Unterstützung zu suchen - eventuell mit dem Argument, dass es für ihren Bruder die größte Hilfe wäre, wenn sie weiterhin die psychische und körperliche Kraft für die Pflege hat. Ein Zusammenbruch schadet allen.

 

? Gestern hab ich plötzlich alle Zustände bekommen. Ich hatte das Gefühl, dass ich ersticke, gleichzeitig hab ich gezittert, ich dachte, ich muss sterben. Nach fünf Minuten war alles vorbei. Ich hatte das in letzter Zeit schon zwei Mal! Kommt das vom beruflichen Stress?
Die Symptome, die sie mir beschreiben, klingen möglicherweise nach einer Panikattacke. Dabei handelt es sich um wiederkehrende, schwere Angstattacken, die leider nicht vorhersehbar sind, da sie nicht in bestimmten Situationen oder unter bestimmten Umständen auftreten. Vorab rate ich zu einer psychiatrischen Abklärung. Ihr beruflicher Stress wird vermutlich zu einem Durchbruch der Angstattacken beitragen, ist aber wahrscheinlich nicht die alleinige Ursache.

 

? Was ist eine Psychose?
Psychose  ist ein Überbegriff für psychische Zustände bzw. Störungen, bei denen der Betroffene die Realität verzerrt wahrnimmt. Die Umwelt, Bezugspersonen und die eigenen Person erscheinen dem Betroffenen verändert. Wahnvorstellungen (z.B. Liebeswahn) und Halluzinationen( z.B. Stimmen hören) sind charakteristisch. Psychosen können bei diversen Krankheitsbildern auftreten (z.B. bei Schizophrenie), aber auch durch Drogen oder hirnorganische Ursachen ausgelöst werden. 

 

? Mein Sohn (16) hat sich komplett verändert. Seit einigen Wochen schläft er kaum. Auf die Frage, was er macht sagt er, er arbeitet irgendwelche geheimen Pläne aus. Ich komme überhaupt nicht mehr zu ihm durch, er aggressiv und meint, ich verstehe nicht, wie wichtig die Pläne für die Menschheit wären. Auch höre ich ihn oft in der Nacht telefonieren. Ich hab Angst, dass er da in was Kriminelles verwickelt ist.
Das Verhalten ihres Sohnes, das sie schildern, lässt leider eher die Vermutung zu, dass es sich hier womöglich um Anzeichen einer Schizophrenie handelt. Die Erkrankten zeigen in der akuten Phase eine sogenannte „positive Symptomatik“-  dazu gehören motorische Unruhe, Wahnvorstellungen und Halluzinationen (z.B. Stimmenhören). Ich ersuche Sie, einen Psychiater/in zur Abklärung aufzusuchen!

 

? Ich weiß nicht mehr, was ich mit meiner Freundin tun soll! Sie kauft ständig irgendwelche Klamotten! In ihrer Wohnung türmen sie Kleiderberge, die meisten noch mit dem Preiszettel drauf! Sie sagt, sie liebt es einfach zu shoppen und kann nicht anders, aber ich finde das nicht normal!
Sie sehen das völlig richtig. Ihre Freundin scheint unter einer Störung der Impulskontrolle zu leiden, das heißt, sie kann dem Drang Kleider zu kaufen einfach nicht widerstehen. Dabei hat das Erworbene für sie vermutlich keinerlei weitere Bedeutung, Hier ist meist eine fachliche Hilfe auf zwei Ebnen gefragt: zum einen,  eine medikamentöse Unterstützung, zum anderen ein therapeutische, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Ermutigen Sie ihre Freundin dazu!

 

? Sind psychische Störungen angeboren?
Jeder Mensch kann psychisch erkranken. Eine psychische Erkrankung ist immer multifaktoriell zu betrachten, das heißt die Ursachen sind nicht einseitig. Biologische, psychologische und soziale Faktoren spielen hier zusammen- ist jemand psychisch „dünnhäutiger“, gibt es ein biologisches Ungleichgewicht im Bereich der Neurotransmitter, welchen Lebensereignissen waren und sind wir ausgesetzt und gibt es womöglich eine erbliche Belastung. 

 

? Mein Vater hat unheilbar Krebs. Er ist seit 5 Monaten stationär im Krankenhaus. Er glaubt aber immer noch, er kommt raus und redet ständig davon, was er nächstes Jahr alles machen wird. Ich selbst bin schon so fertig. Wie soll ich ihm die Wahrheit sagen?
Die Psyche schützt uns manchmal vor Dingen, die wir nicht wahrhaben wollen, weil Angst und Schmerz zu überwältigend und schlussendlich nicht aushaltbar wären. Dann verleugnen wir die Realität und zwar in einem Ausmaß, das uns für andere nahezu „verrückt“ erscheinen lässt. Da ihr Vater- wie es scheint - tatsächlich nicht mehr lange zu leben hat, erachte ich es in diesem Fall für wichtiger, dass sie selbst sich mit seinem Tod auseinandersetzen und Gefühle wie Traurigkeit, Ohnmacht aber vielleicht auch Wut mit professioneller Hilfe besprechen.

 

? Ich hab ständig die Angst unheilbar krank zu werden. Weil ich soviel daran denke, hab ich wiederum Angst dass ich mir zB einen Krebs „herbeidenke“. Ist das möglich?
Sie räumen der Kraft ihrer Gedanken sehr viel Macht ein. Vielleicht geht es weniger um die Frage, ob sie sich selbst Krebs herbeidenken können, sondern darum, was tatsächlich hinter diesen Befürchtungen steckt. Hier empfehle ich Ihnen therapeutische Unterstützung.

 

? Unsere Mutter sitzt jetzt im Rollstuhl. Wir haben sie deshalb zu uns ins Haus genommen. Doch egal was wir tun, sie verlangt immer mehr und ist nie zufrieden. Was sollen wir tun? Ich will nicht, dass sie leidet!
Ich habe den Eindruck, sie tun bereits mehr als sie bewältigen können. Ihre Mutter braucht zweifelsohne Unterstützung, doch scheint es mir, als hätte sie durch ihre körperliche Beeinträchtigung auch einen sekundären Krankheitsgewinn. Dies bedeutet, dass ihre Mutter sehr wohl auch äußere Vorteile durch ihre Erkrankung zieht - sie wird umsorgt, so wie sie es sich wahrscheinlich immer gewünscht hat.  Setzen Sie sich und ihrer Mutter klare Grenzen, auch wenn es anfangs schwer fällt. Damit ist allen am meisten geholfen. 

 

Mein kleiner Sohn (3) weint anfangs immer, wenn ich ihn bei  der Babysitterin lasse. Er beruhigt sich dann aber recht rasch. Mir bricht es trotzdem das Herz, mache ich etwas falsch?
Soweit ich das nach Ihrer kurzen Schilderung der Situation beurteilen kann, ist das Verhalten ihres kleinen Sohnes nicht ungewöhnlich- im Gegenteil. Kinder, die sicher an ihre Bezugsperson gebunden sind, weinen schon Mal kurz, wenn sie sich in einer „fremden“ Situation befinden, lassen sich aber schnell ablenken und freuen sich, wenn Mama oder Papa zurückkommen. Kinder mit einer unsicheren Bindung, zeigen sich entweder gleichgültig oder über die Massen  verstört beim Verlassen und ebenso bei der Rückkehr ihrer Bezugsperson. Insofern scheint ihr Kleiner ein sicher gebundenes Verhalten zu zeigen!

 

? Meine Kleine hat mir erzählt, dass sie mit ihrem Kindergartenfreund Doktorspiele macht! Ich bin geschockt. Kann sie das für später verstören?
In diesem Alter entdecken Buben und Mädchen den Geschlechtsunterschied. Das Andere, Fremde ist da besonders interessant.  Kinder sind von Anfang an sexuelle Wesen, nicht vergleichbar mit der erwachsenen Sexualität, es ist vielmehr ein Wohlfühlen mit allen körperlichen Sinnen. Wichtig ist, dieses Verhalten nicht einfach zu verbieten oder abzuwerten. Sehr wohl kann aber besprochen werden, dass es gewisse Regeln gibt, wie z.B., dass ein Nein auch ein Nein ist, wenn sich einer nicht wohl fühlt. Das Interesse an Doktorspielen gibt sich später von selbst, da die Entdeckungslust dem Schamgefühl weicht.

 

 

? Mein Kind schmiert mit Kot. Was soll ich tun?
Sehr zum Leidwesen der Eltern beginnen die  Kinder oft mit einer intensiven Beschäftigung mit ihren Exkrementen mit Eintritt in die sogenannte „anale Phase“. Sie lernen den Schließmuskel zu beherrschen und Lust daran  zu empfinden. Eine zu strenge Sauberkeitserziehung kann da zur Ausbildung eines „analen Charakters“ führen. Diese Menschen sind oft sehr pedantisch, geizig  und übertrieben ordnungsliebend.